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Eine Achsvermessung lassen Autofahrer nicht alle Tage durchführen, doch sie ist durchaus nützlich. Zwar verursacht die Achsvermessung Kosten, doch wenn die Werkstatt die Spur einstellen muss, ist sie unverzichtbar. Da auch das Spur einstellen Kosten verursacht, ist die vorherige, sehr genaue Achsvermessung in der Werkstatt sogar unbedingt zu empfehlen.

 

Warum muss die Werkstatt gelegentlich die Spur einstellen?

Die Spur eines Fahrzeugs wird in hohem Maße von der Radaufhängung bestimmt, deren korrekte Einstellung sich wiederum mit der Achsvermessung ermitteln lässt. Diese Radaufhängung ist wiederum im Fahralltag starken Belastungen ausgesetzt: Wer Bordsteinkanten häufiger überfährt und auf Strecken mit Schlaglöchern oder sonstigen Fahrbahnschäden unterwegs ist, setzt seine Fahrwerksmechanik kräftigen Stöße aus. Diese beeinträchtigen die Spur, weil die auftretenden Kräfte bei solchen Vorgängen vom Auto nicht in jedem Fall schadlos weggesteckt werden. Neben der Spur können sich auch der Sturz und weitere Fahrwerksparameter verstellen. Das Fahrzeug könnte in der Folge nicht mehr spurtreu fahren. Das bedeutet: Wenn der Fahrer nicht gegenlenkt, tendiert es bei der Geradeausfahrt nach rechts oder links. Dann muss die Werkstatt neu die Spur einstellen. Zuvor erfolgt eine Achsvermessung. Dass das Spur einstellen Kosten verursacht, sollte der Fahrer zugunsten seiner Sicherheit in Kauf nehmen. Ebenso verursacht natürlich die Achsvermessung Kosten, bringt aber auch Gewissheit darüber, ob die Werkstatt die Spur einstellen muss oder nicht. Veränderungen an der Achsgeometrie sollten immer überprüft werden. Sie bringen noch weitere Komplikationen mit sich: Neben der beeinträchtigten Fahrsicherheit verschleißen die Reifen und andere Teile schneller, wenn die Spur nicht mehr stimmt.

 

Was wird die Achsvermessung für Kosten verursachen?

Bei einer Achsvermessung sind die Kosten nicht hoch. Eine 3D-Achsvermessung kann schon ab rund 30 Euro, die Achsvermessung per Laser ab rund 60 Euro durchgeführt werden. Beim nachfolgenden Spur einstellen sind die Kosten auch nicht allzu hoch: Insgesamt wird die Achsvermessung zusammen mit dem nachfolgenden Spur einstellen – falls dies erforderlich sein sollte – kaum mehr als 150 Euro kosten. Wenn Sie aber auf die preiswerte Achsvermessung verzichten und daher auch nicht die Spur einstellen lassen, kann es teuer werden. Das Ignorieren von Fahrwerksproblemen führt zu hohem Verschleiß an den Reifen und Radlagern. Natürlich fallen modellabhängig unterschiedliche Kosten für eine Achsvermessung an. Bei einem BMW mit Sportfahrwerk werden sie höher ausfallen als bei einem Kleinwagen. Die Arbeitsleistung bleibt dabei übrigens relativ konstant, weil sich die Dauer einer Achsvermessung zwischen einzelnen Fahrzeugmodellen kaum unterscheidet. Sie dauert regelmäßig rund 15 Minuten. Wenn die Werkstatt anschließend noch die Spur einstellen muss, ist mit einer Arbeitszeit von höchstens einer Stunde zu rechnen.

 

Warum ist die Achsvermessung so wichtig?


Nur mit einer exakt eingestellten Spur fährt das Auto zuverlässig geradeaus und lässt sich auch immer präzise steuern. Eine exakte Spur bedeutet, dass die Räder stets – also unter allen Fahrbedingungen – zueinander eine parallele und zur Straße eine senkrechte Position einnehmen. Zwei Werte sind hierfür maßgebend:

  • Die Spur ist die Laufrichtung, die zwischen den Rädern einer Achse parallel verlaufen muss.
  • Der Sturz ist der Winkel, den die senkrechte Achse zur Straße einnimmt.


Spur- und Sturzwerte müssen korrekt eingestellt sein. Dann erhalten die Reifen ihre maximal mögliche Aufstandsfläche, was das sichere Fahrverhalten gewährleistet. Wenn eine Spur einseitig verstellt ist, zieht das Auto ohne Eingriff per Lenkrad nach rechts oder links. Auch lässt es sich in Rechts- anders als in Linkskurven lenken. Ein falsch eingestellter Sturz beeinträchtigt die Fläche, mit der die Reifen auf der Straße aufliegen. Es gibt einen negativen und einen positiven Sturz:

  • Beim negativen Sturz neigt sich das Rad oben zum Fahrzeug. Zwar erhöht das die Seitenführungskräfte bei einer schnellen Kurvenfahrt, doch gleichzeitig werden der Bremsweg und der Geradeauslauf beeinträchtigt.
  • Beim positiven Sturz neigt sich das Rad oben weg vom Auto. Das verschlechtert die Kurvenstabilität, weil die Aufstandsfläche in schnellen Kurven kleiner wird.
 

Spur einstellen: Vor- und Nachspur

Werksseitig ist manchmal die Spur zwischen Vorder- und Hinterachse nicht parallel eingestellt. Man unterscheidet hier zwischen Vor- und Nachspur:

  • Bei einer Vorspur stehen die Räder an ihrer Vorderkante dichter zusammen als hinten. Das linke Rad lenkt leicht nach rechts, das rechte Rad leicht nach links. Je nach Antriebsart (Vorder- oder Hinterachsenantrieb) und Hersteller kann eine Vorspur an Hinterachsen von 0 bis 5° betragen – außer bei Starrachsen, die immer mit 0° parallel zueinander stehen.
  • Bei einer Nachspur stehen dementsprechend die Räder hinten dichter zusammen als vorn. Nachspuren betragen 0 – 3°.


Zu Problemen kommt es, wenn die Winkel von Vor- oder Nachspur bei den Rädern auf einer Achse unterschiedlich ausfallen. Darunter leidet der Geradeauslauf. Bei einer exakten Einstellung der Vor- und Nachspur ist hingegen nichts zu spüren, die Lenkkräfte der Räder heben sich gegenseitig auf. Wenn Werkstätten eine Spur einstellen, sorgen sie für diese exakte Einstellung.

 

Warum gibt es die Vor- und Nachspur?

Durch den Rollwiderstand der Autoreifen und die Fahrwerksgeometrie tendieren die Räder zum Auseinanderlauf. Eine leichte Vorspur überwindet diese Tendenz und begünstigt bei exakter Einstellung den Geradeauslauf. Allerdings verringert eine starke Vorspur die Höchstgeschwindigkeit, gleichzeitig erhöht sie den Reifenverschleiß. Das ist möglicherweise das größte Problem, weshalb ein sinnvoller Kompromiss nötig ist, wenn die Hersteller ab Werk und später auch Fachwerkstätten die Spur einstellen. Die Reifen und das Fahrwerk, aber auch das Fahrverhalten können sogar stark unter einer Vorspur mit relativ hohem Winkel leiden. Gängige Probleme sind:

  • ungleichmäßiges Abfahren
  • Sägezahnbildung (Absätze im Reifenprofil, die das Abrollgeräusch erhöhen)
  • durch geringere Aufstandsfläche längerer Bremsweg
  • höherer Verschleiß der Radaufhängung, der Federn und der Stoßdämpfer
  • erhöhter Spritverbrauch


Dennoch sollte eine Fachwerkstatt eine Spurveränderung der werkseitigen Einstellungen nicht ohne Not vornehmen, denn sie könnte zur Verwirrung bei elektronischen Assistenzsystemen führen. Der Spurhalte- und der Abstandsassistent sind auf die werkseitige Einstellung kalibriert. Bei einer Änderung der Spur arbeiten sie nicht mehr richtig.

 

Wann ist eine Achsvermessung nötig?

Verschiedene Symptome zeigen, dass eine Achsvermessung nötig sein könnte. Eines davon ist das Reifenprofil. Wenn die Reifen einseitig abgefahren sind, weist das auf eine fehlerhafte Lenkgeometrie hin. Aber auch das schief stehende Lenkrad, ein Quietschen in Kurven und polternde Fahrwerksgeräusche sind Anzeichen dafür, dass Sie die Achsvermessung durchführen lassen sollten. Das eindeutigste Zeichen ist natürlich, dass der Wagen nicht die Spur hält. Nach Reparaturen am Fahrwerk wird die Achsvermessung obligatorisch durchgeführt. Das betrifft den Wechsel von Stoßdämpfern, Tieferlegungsfedern, Querlenkern, Stabilisatoren und Spurstangenköpfen. Wenn Sie Reifen einer anderen Größe aufziehen oder zu größeren Alufelgen wechseln, sollten Sie ebenfalls die Achsvermessung durchführen lassen.

 

Durchführung einer Achsvermessung

Die Werkstatt benötigt für die Achsvermessung einen Achsmesscomputer. Früher erfolgte das Ausmessen mit Spiegeln, doch bei den modernen Mehrlenkerachsen mit ihren sehr geringen Toleranzen genügt das nicht mehr. Möglich ist eine Vermessung per Laser, bei der an die Räder Sensoren montiert werden, welche die Positionen der Räder absolut und untereinander abgleichen, oder die 3D-Messung mithilfe von Reflektoren, deren Daten der Erstellung eines 3D-Modells dienen. Das geht noch etwas schneller. Sollten bei der Achsvermessung Abweichungen in der Radgeometrie nachgewiesen werden, erfolgt die Neujustierung der Spurstangen oder auch die Reparatur von Defekten.

 

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